Offener Brief an die Mitglieder des Kreisausschusses, die Mitglieder des Kreistages und die GF des RTV

Idsteiner WählerGemeinschaft (IWG) Platzhalter

Idstein, den 21.05.2026

Stellungnahme der Idsteiner WählerGemeinschaft (IWG) zur geplanten Streichung der Buslinie 265 (265)

Wir sind grundsätzlich für eine konstruktive Verbesserung des ÖPNV- Angebotes. Dies beinhaltet auch die Betrachtung einer verbesserten Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) auf allen Ebenen.

Das bedeutet zum Beispiel, dass bekannte Sachverhalte, wie das „kostenfreies Durchwinken von Fahrgästen“ abgestellt wird.

Die Pünktlichkeit und Verlässlichkeit muss verbessert werden.

Zwischen Parallellinien muss eine bessere Abstimmung (z. B. die Linien 271 und 275) erfolgen.

Die daraus zu beratende Entscheidung sollte dann auf Basis von validen Daten und Fakten abgewogen, transparent dargestellt und kommuniziert werden.

Dies sehen wir bei dem aktuellen Beschlussvorschlag über die Vertragsverlängerung der Beauftragung der DB Regio zur Leistungserbringung auf der Linie 265 – Kreisquerverbindung als nicht gegeben!

Im Ursprung sollte die Vorlage in der konstituierenden Sitzung des Kreistages ohne eine entsprechende Fachberatung im Ausschuss verabschiedet werden.

Dass eine mögliche Verlängerung ansteht, war lange bekannt und hätte mit entsprechender Sorgfalt in der letzten Wahlperiode schon behandelt werden können (auch mit einer Einbindung der betroffenen Kommunen entlang der Linienführung).

Konsequenzen und fehlende Maßnahmen

Die geplante Streichung der 265 hätte weitreichende Auswirkungen auf Mobilität, gesellschaftliche Teilhabe und die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums im Rheingau-Taunus-Kreis.

Die Bewertung einer Buslinie darf nicht ausschließlich nach kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Aspekten erfolgen, sondern muss auch ihren gesamtgesellschaftlichen Nutzen berücksichtigen. Darüber hinaus waren die Ergebnisse der Fahrgastzählung (im Winter 2024 durchgeführt) lange bekannt.

Entsprechend durchgeführte Verbesserungsmaßnahmen jedoch nicht. So ist nicht plausibel, warum es keine zweite Zählung z. B. im Sommer 2025 gab. Dies hätte sicherlich andere Nutzerzahlen ergeben, gerade auch im touristischen Bereich und speziell an den Wochenenden. Darüber hinaus ist nicht erkennbar wie sich das Defizit der 265 im Verhältnis zu anderen Linien darstellt (fehlende Benchmark). Auch sind keine Maßnahmen erkennbar, die eine Verbesserung der KNA als Ziel haben (z. B. andere Taktung, andere Streckenführung, häufigere Einbindung des Idsteiner Bahnhofes etc.)

Mobilität im ländlichen Raum sichern

Gerade im ländlichen Raum sind Buslinien Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Nicht jeder besitzt ein Auto oder kann selbst fahren ‒ insbesondere Jugendliche, Senioren oder Menschen mit Einschränkungen.

Eine Streichung der 265 würde die Mobilitätsgerechtigkeit im Rheingau-Taunus-Kreis deutlich verschlechtern.

Klimaschutz und Verkehrswende

Ausdrücklich wird immer wieder eine Verlagerung vom Auto auf den ÖPNV gefordert. Gleichzeitig Buslinien zu streichen sendet ein widersprüchliches Signal. Jede gestrichene Verbindung erhöht langfristig den Individualverkehr und den CO₂-Ausstoß.

Zukunftspotenzial statt Momentaufnahme

Neue Linien benötigen oft mehrere Jahre, bis sie bekannt und etabliert sind. Eine Bewertung nach kurzer Zeit ist daher wenig aussagekräftig. Besonders bei unzureichender Bewerbung oder mangelnder Pünktlichkeit kann die tatsächliche Nachfrage künstlich niedrig erscheinen. Die einzige Erhebung der Nutzerzahlen erfolgte im Winter 2024. Hierzu fragen wir, warum keine aktuelle Erhebung durchgeführt wurde und welche Maßnahmen aus dem Ergebnis der Zählung veranlasst und kommuniziert wurden.

Bedeutung für Schüler, Auszubildende und Pendler

Gerade regelmäßige Nutzergruppen benötigen verlässliche Direktverbindungen. Zusätzliche Umstiege und längere Wege machen den ÖPNV unattraktiv und fördern langfristig den Umstieg aufs Auto. So wurde durch die Einrichtung der Direktverbindung von Idstein nach Bad Schwalbach und umgekehrt die Fahrzeit von 80 Minuten auf 40 reduziert.

Demografischer Wandel, soziale Teilhabe und Lebensqualität

Die Bevölkerung wird immer älter. Gerade ältere Menschen sind zunehmend auf funktionierenden ÖPNV angewiesen. Die Linie ermöglicht vielen Menschen Zugang zu Ärzten, Behörden, Arbeitsplätzen sowie Freizeit- und Kulturangeboten. Eine Streichung trifft besonders Menschen mit geringem Einkommen und schränkt gesellschaftliche Teilhabe ein.

Die 265 verbindet als Einzige Bad Schwalbach oder Taunusstein direkt mit der Helios Klinik in Idstein, ebenso kann das Hospiz in Bleidenstadt aus Richtung Eltville und Idstein ohne Umstieg erreicht werden.

Tourismus und regionale Attraktivität

Der Rheingau und Untertaunus leben auch vom Tourismus. Direkte Verbindungen fördern Tagesausflüge, Gastronomie, Veranstaltungen sowie Freizeit- und Kurangebote. Nicht jeder Tourist reist mit dem Auto an. Gerade für Kurkliniken ist eine hohe Kundenzufriedenheit existenziell und der ÖPNV spielt dabei eine wichtige Rolle. So können Kurgäste aus Bad Schwalbach einfach und unkompliziert ins Umland (Rheingau oder Idstein) gelangen. Die Buslinie verbindet den Rheingau mit dem westlichen und östlichen Untertaunus. Dies stärkt das „Wir Gefühl“ im Kreis.

Wirtschaftliche Folgekosten berücksichtigen

Kurzfristige Einsparungen könnten langfristig höhere Kosten verursachen ‒ etwa durch mehr Straßenverkehr, höhere Umweltbelastungen, soziale Isolation oder schlechtere Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen.

Möglichkeit zur Optimierung statt Streichung

Statt einer vollständigen Einstellung der Linie sollten Alternativen geprüft werden, beispielsweise kleinere Busse außerhalb der Stoßzeiten, bessere Bahnanschlüsse, optimierte Fahrzeiten oder eine stärkere Bewerbung der Linie.

Fehlende Transparenz der Entscheidungsgrundlage

Es stellt sich die Frage, ob alle relevanten Daten öffentlich gemacht wurden, welche Kriterien ausschlaggebend waren und ob Bürger, Kommunen sowie Nutzer ausreichend beteiligt wurden.

Forderung und Fazit
Wir fordern den Erhalt der Buslinie 265!

„Eine Buslinie darf nicht ausschließlich nach kurzfristiger Wirtschaftlichkeit bewertet werden, sondern muss auch nach ihrem gesellschaftlichen Nutzen beurteilt werden.“

Eine nachhaltige und verlässliche Mobilität ist ein zentraler Bestandteil moderner Daseinsvorsorge. Die Buslinie 265 leistet hierzu einen wichtigen Beitrag und muss daher erhalten sowie weiterentwickelt werden.

Wir beteiligen uns gerne aktiv daran, die Attraktivität zu steigern und damit eine bessere Auslastung und einhergehender Kosteneinsparung des ÖPNV im Rheingau-Taunus-Kreis zu erreichen. Das sollte unser gemeinsames Ziel sein zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft und der Touristen (gerade im Hinblick auf den Hessentag 2027 in Idstein und die BUGA 2029 im Mittelrheintal).

Mehr aktuelle Infos

Karl-Heinz Massier

Karl-Heinz Massier 10.05.1956 – 05.05.2026

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